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Rainer 2004

Von Rolf Rainer Dries

Wie jedes Jahr plante ich für 2004 eine Tauchreise mit meinen 3 erwachsenen Kindern Juliane, Henriette und Sebastian.
Es sollte etwas Besonderes werden, denn ich wollte auch meinen 60.Geburtstag (vor feiern. Ich liebäugelte mit Mauritius und mit Celebes. Für beide Inseln habe ich wirklich jede website untersucht und mit vielen Anbietern bereits Kontakt aufgenommen.

Da fiel mir in einer Tauchzeitschrift eine klitzekleine Anzeige auf "Tauchen mit Bea auf Bali". Natürlich war ich neugierig, und ich ging auf die website. Sie hat mir gefallen und ich zog Bali in die engere Wahl und schaute mir auch alle anderen Bali-Angebote an.

Bea bot etwas Neues, etwas was ich noch nie zuvor gemacht hatte: Rumreisen von Tauchplatz zu Tauchplatz.
Zunächst gefiel mir das überhaupt nicht, denn ich bin im Urlaub eingefleischter Luxusanhänger mit wenig Tendenz, mich während der 2 Wochen Urlaub aus meinem Hotel oder Bungalow wegzubewegen, außer zum tauchen natürlich. Meinen 3 Kindern gefiel das sofort, aber die sind ja auch die reinsten Zigeuner.
 
 Ich begann dann, mich mit Bali zu beschäftigen, mit der von Bea vorgeschlagenen Tour und allen näheren Umständen. Und da wurde mir klar, daß es gar keine andere Möglichkeit gibt, als die Insel zu umrunden: Bali bietet zu viel, überall, über Wasser und unter Wasser.
 
 Etwas skeptisch war ich schon, als wir nach problemloser Anreise von Bea am Flughafen abgeholt wurden. Um es vorweg zu nehmen: Die einhellige Meinung von uns allen war: "Der Urlaub läßt sich nicht mehr toppen".
 
 Und das will etwas heißen nach der Caribic, dem Roten Meer, Malediven und den Phillipinen.
 
 Wir haben in 5 verschiedenen einheimisch geführten Resorts gewohnt, allsamt sehr preiswert, dennoch luxoriös und mit weitaus mehr Charm als die teuren Bettenburgen, die natürlich auch vorhanden sind. Der Bungalow für 2 Personen kostete uns mit Frühstück zwischen 15 und 20? pro Nacht, nebenan zahlte man 100? pro Person und Nacht, wenn man von Deutschland mit einem Veranstalter gebucht hatte. Das Essen war genauso preiswert und Bea wußte immer, wo es am Besten schmeckt. Überhaupt war Bea für uns ein Glücksgriff. Wir funkten auf einer Wellenlänge und nach wenigen Stunden schon gehörte sie irgendwie mit zur Familie. Die Organisation war perfekt, ihr Fahrer mit dem Jeep und dem Tauchkrempel eilte immer voraus und alles war meist schon auf dem Boot, wenn wir ankamen. Bea spricht die Landesprache, weiß alles über lokale Besonderheiten und - wo immer wir hinkamen, man kannte sie - und liebte sie.
 
 Wir haben unendlich viel gesehen, Natur, Landschaft, Wasserfall, Vulkane, waren bei Tempelfeiern mitten drin, haben ein riesen Spanferkel gegrillt, eine Shopping-Orgie überlebt und  in der Disco bis morgens abgetanzt.
 
 Nun war das ja kein Kultur-Urlaub um Land und Leute kennen zu lernen sondern ein Tauchurlaub.
 
 Was gab es zu sehen?
 
 Eigentlich kann man das kurz halten und einfach sagen: "alles"
 
 Aber das würde uns jetzt die Lust nehmen am Schwärmen, also hier ein paar Details. Ich lasse mal alles stinknormale weg, was so in den Bestimmungsbüchern für Süd-Ostasien zu finden ist, wir haben zuerst immer Häkchen hinter die gesehenen Arten gemacht, dies jedoch bald aufgegeben, weil einfach alles hier um Bali zu finden war. Deshalb hier nur die Highlightes:
 
 Am Tag nach unserer Ankunft gings in den Nordwesten zur Secret Bay (Gilimanuk Bay). Wir wollten es nicht glauben, es begann mit zwei völlig atypischen Tauchgängen, 7 m tief , eine Bucht, umgeben von Mangroven und überall schauten Sandbänke heraus, nicht gerade ein Garant für beeindruckende Tauchgänge. Aber was wir hier alles gesehen haben, verblüffte selbst die beiden Meeresbiologen unter uns. An einem kleinen Wrack, wahrscheinlich nur ein größerer Kahn, Wolken von Welsen, die zu Hunderten aufeinander hingen, Putzergarnelen, Seepferdchen, Seefedern, einen Schwarm großer Fledermausfische, Leierfische, endemische Anglerfische und der Welt längste Seegurken (2 m ).
 
 Nach 2 Tauchgängen gings weiter auf die Ostseite der Insel, nach Permuteran, wo wir ein paar  Tage in einem wunderhübschen kleinen Resort mit sauberem Pool direkt am Wasser blieben. Von hier sind wir  jeden Tag zur Insel  Menjangan zum Tauchen gefahren. Dort gibt es zunächst einmal das Wrack eines hölzernen Schiffes aus dem frühen 19.Jahrhundert zu bewundern, es reicht von 6 m bis hinunter zu 45m. Unten hatten wir unseren ersten Weißspitzenriffhai, etwa 2 m groß. Rund um die Insel gabs dann noch Schildkröten, Messerfische, gebänderte Seeschlangen, Adlerrochen, Langnasendoktorfische und ein phantastisch schöner, riesengroßer Sandaalplatz mit sehr zutraulichen Aalen. Wer will, kann aus dem Wasser heraus Aufnahmen von Höhlen voller Flughunde machen
 
 Tulamben war der nächste Mehrtagehalt. Hier liegt ein riesiger Liberty-Frachter aus dem letzten Krieg . Dieses Wahnsinnsbiotop rechtfertigt ein Dutzend Tauchgänge, unbedingt auch bei Nacht, nicht nur wegen der Gorgonenhäupter überall.  Neben den permanent vorhandenen Stachelmarkrelenschwärmen hatten wir Barrakudas, Fanschreckenkrebse, Napoleons, als Leckerbissen gabs Pymäeenseepferdchen und Langschnauzenbüschelbarsche, Pfauenauge-Rotfeuerfische , Imperatorgarnelen, Schaukelfische, Geistermuränen, Geisterpfeifen(fetzen)fische und eine recht große Sepia, die gar nicht von uns lassen wollte. Streckt ruhig Eure Hände in die Löcher und lasst Euch von den Putzergarnelen die Fingernägel säubern, das kitzelt so schön, wenn 10 Beinchen auf der Hand rumtanzen.
 
 Padang Bai war die letzte Etappe und die Krönung des Urlaubes. Seepferdchen und juvenile Fische, die man kaum der adulten Art zuordnen kann direkt am Strand und unter dem hölzernen Steg. Dann die Blue Lagoon mit Teppichhai oder Wobbegong, Langusten, Decorator Crab, Spanische Tänzerin und Bärenkrebs.
 
 Der Manta Point bei der Insel Nusa Penida ist ein muß, die unbändige Natur bietet den Mantas den Rahmen, der ihnen gebührt.
 
 Aber es ließ sich noch steigern, die Fahrt mit dem Speed-Boat (400PS Außenborder) zur Höhle von Gili Biaha war ein beeindruckendes Erlebnis.
 Voller Haie und Langusten, nur,  ängstliche Naturen oder Herzkranke sollten draußen bleiben. Auf dem Höhleneingang steht auch unter Wasser eine mords Brandung und es kommt alle paar Sekunden zu fürchterlichen Druckanstiegen, die ein permanentes Druckausgleichen nötig machen. Es ist, als ob man jeweils schlagartig 5 m tiefer versetzt würde. Und dabei bumst das Herz als stünde man kurz vor der Aufgabe der Daseinsberechtigung. Die Ehrfurcht vor Mutter Natur und den Elementen wird dabei sofort wieder gefunden. Sebastian hatte übrigens noch die Muße, leere Kauris vom Höhlenboden zu sammeln, es soll voll davon gewesen sein. Bea gibt übrigens vorher genaue Anweisungen, wie da rein- und auch wieder rauszukommen ist, haltet Euch daran.
 
 Von dort ging es weiter nach Mimpang, das wegen seiner Strömungsverhältnisse nicht ganz einfach ist. Und dies wurde zu unserem persönlichen "Millennium"-Tauchgang, einer von tausend Tauchgängen! Beim Anrödeln sieht Juliane was Großes aus dem Wasser springen. Wir rein und da sind sie , Mola mola, 2 an der Zahl, 1,5 Tonnen schwer,  4 m hoch, ziehen vorbei, drehen, umrunden uns. Mola mola lebt in der Tiefsee und kommt bei zunehmendem Mond und kalter Strömung für 30 Minuten hoch und lässt sich putzen. Und wir waren da. Walhaie sieht man öfter. Alles was jetzt noch rumschwimmt an diesem grandiosen Platz mit riesigen Steinkorallformationen ist unwichtig, wir tauchen auf und schreien, allen voran Bea. Für den Rest des Tages waren wir alle recht still, ein jeder musste dieses Erlebnis für sich verarbeiten. Abends haben wir uns eine Pulle balinesischen Sekt gekauft (schmeckt sogar ganz gut) und am Strand getrunken.
 
 Wenn Ihr dasselbe erleben wollt, hört ja immer auf Bea, sie weiß wo was zu finden ist, kann es fast garantieren. Auch wenn es sehr,  sehr klein ist, wie ihre Lieblings-Fetzenfische, die Porzellankrabben, mini-Garnelen, die in Seesternen leben oder die vielen, vielen Nacktschnecken. Und kauft Euch gleich beim Ankommen am Flughafen "diving Bali", da sind alle Plätze genau beschrieben mit hervorragendem Kartenmaterial und Photos.
 
 Wir glauben nicht, dass wir  ohne Bea das alles gesehen- oder mitbekommen hätten.
 
 Danke Bea
 
 Sebastian, Henriette, Juliane und Rolf-Rainer Dries